Tage vor unserem 40. Hochzeitstag entdeckte ich auf dem Handy meines Mannes Stefan flirtende Nachrichten von Georgias, der besten Freundin meiner Tochter. Was ich fühlte, ging über Herzschmerz hinaus – es war Verrat auf Verrat geschichtet. Anstatt ihn sofort zur Rede zu stellen, dokumentierte ich alles stillschweigend: Nachrichten, Fotos, geheime Treffen, und löschte sorgfältig meine Spuren, während ich eine Reaktion vorbereitete, die er niemals vergessen würde.
Stefan und ich waren Jugendliebe, haben mit 18 geheiratet und die härtesten Prüfungen des Lebens gemeinsam durchgestanden: verlorene Eltern, eine Fehlgeburt, fast eine Zwangsvollstreckung, vier Kinder, Umzüge quer durchs Land und Jahrzehnte voller Erinnerungen. Ich hatte eine außergewöhnliche Jubiläumsfeier geplant: das beste Restaurant, ein Streichquartett, eine Diashow unseres Lebens. Ich dachte, ich feiere die Liebe – bis mir klar wurde, dass ich eigentlich die Beerdigung unserer Ehe plante.

In der Nacht der Feier kam Stefan lächelnd und ahnungslos. Gäste waren unsere Kinder, Freunde und Georgia, die ihn herzlich umarmte. Alles sah perfekt aus. Dann, mitten beim Abendessen, stürmte ein junger Schauspieler, den ich engagiert hatte, mit Rosen in den Raum und umarmte mich in einer dramatischen Inszenierung. Der Raum erstarrte. Stefans Gesicht errötete vor Verwirrung und Wut, ein Spiegelbild des Zorns und Schmerzes, den ich tagelang still ertragen hatte.
Der Projektor hinter mir ging an und zeigte Screenshots jeder flirtenden Nachricht, jedes geheimen Treffens und Fotos von Stefan und Georgia zusammen. Ein Raunen ging durch den Raum. Alice hielt Georgia auf, als sie zu gehen versuchte, und konfrontierte sie mit dem Verrat einer Freundschaft, die zur Hinterlist geworden war. Stefan fiel auf die Knie und flehte um Vergebung, doch ich blieb ruhig. Meine Stimme hallte durch den Saal, als ich ihm einen versiegelten Umschlag reichte.

Darin befanden sich die Scheidungspapiere, bereits eingereicht und unterschrieben. „Alles Gute zum Jubiläum, Stefan“, sagte ich und hob mein Glas. „Du hast mir 40 Jahre deines Lebens geschenkt. Ich schenke mir den Rest meines Lebens.“ Der Raum leerte sich, und ich blieb allein, aber gestärkt. Stefans Verrat war vorbei, und ich ging in die Nacht hinaus, nur mit meiner Würde und dem Wissen, dass ich die Kontrolle über mein Leben zurückerlangt hatte.