Anne, eine 62-jährige Literaturlehrerin, hatte sich längst in einem ruhigen Leben zwischen Shakespeare und Korrekturarbeiten eingerichtet. Ihre Routine wurde unterbrochen, als eine Schülerin namens Emily sie um ein Interview für ein Feiertagsprojekt bat. Während des Gesprächs weckte Emilys Neugier eine schlummernde Erinnerung: Daniel, Annes erste große Liebe im Alter von 17 Jahren. Ihre Romanze war abrupt geendet, als Daniels Familie aufgrund eines Finanzskandals über Nacht verschwand und Anne mit einem gebrochenen Herzen und jahrzehntelangen unbeantworteten Fragen zurückließ.
Eine Woche später kehrte Emily mit einer verblüffenden Entdeckung zurück: einem Forenbeitrag mit dem Titel „Suche nach dem Mädchen, das ich vor 40 Jahren liebte“. Der Post enthielt ein Foto der jungen Anne in einem blauen Mantel, lachend mit einem abgebrochenen Schneidezahn. Der Verfasser, der nach vier Jahrzehnten immer noch suchte, erwähnte, dass er ihr etwas Wichtiges zurückzugeben habe. Trotz ihrer Angst, die Vergangenheit könne „schöner als die Wahrheit“ sein, erlaubte Anne Emily, ihm zu schreiben, und vereinbarte ein Treffen für Samstag in einem örtlichen Café.

Im Café erkannte Anne sofort Daniels silbernes Haar und seine schelmischen Augen wieder. Die Anspannung von vierzig Jahren wich, als Daniel gestand, dass er damals aus tiefer Scham über die Verbrechen seines Vaters verschwunden war. Er hatte Jahre damit verbracht, sich ein rechtschaffenes Leben aufzubauen, in der Hoffnung, ihrer wieder „würdig“ zu sein, nur um ihre Spur zu verlieren, als sie heiratete und ihren Namen änderte. Beide hatten Ehen, Kinder und Scheidungen hinter sich, doch keiner von beiden hatte die Verbindung, die sie mit siebzehn geknüpft hatten, jemals wirklich hinter sich gelassen.
Der „wichtige Gegenstand“, dessen Rückgabe Daniel versprochen hatte, war ein Medaillon mit Fotos von Annes Eltern, das sie in ihrem Abschlussjahr verloren hatte. Er hatte es bei jedem Umzug sicher aufbewahrt – ein greifbares Versprechen an sich selbst, dass sie sich wiedersehen würden. In jener ruhigen Ecke des Cafés schien die Last ihrer getrennten Leben von ihnen abzufallen. Daniel verlangte nicht danach, ihre Jugend zu wiederholen, sondern wollte einfach sehen, was eine gemeinsame Zukunft mit zweiundsechzig bereithalten könnte.

Anne kehrte am Montag mit einem neu gewonnenen Gefühl der Hoffnung in die Schule zurück und überraschte Emily mit der Nachricht, dass das Treffen ein Erfolg war. Obwohl sie nicht an einem Märchenende interessiert war, war Anne bereit, sich auf diese „völlig neue Art von Hoffnung“ einzulassen, die sie spürte. Sie erkannte, dass sie die vierzig verlorenen Jahre zwar nicht zurückbekommen konnte, aber nun endlich durch eine Tür treten konnte, von der sie geglaubt hatte, sie sei für immer verriegelt.