Die Hände des erst zwanzigjährigen jungen Mädchens rochen immer nach Milch und Stroh. Sie lebte mit ihrer kranken Mutter in einer alten Hütte und arbeitete Tag und Nacht, da ihr Vater wegen Schulden im Gefängnis saß. Eines Tages klopfte der reichste und am härtesten gesinnte Grundbesitzer der Stadt an ihre Tür. Ohne ein Anzeichen von Emotionen zu zeigen, unterbreitete der Mann ihr ein erschreckendes Angebot: „Ich habe nur noch ein Jahr zu leben. Heirate mich und schenke mir einen Erben; im Gegenzug werde ich deinen Vater aus dem Gefängnis befreien und alle Schulden deiner Familie bezahlen.“
Das junge Mädchen nahm dieses Angebot mit der Schwere der Verzweiflung an. Sie war bereit, ein Jahr für die Medikamente ihrer Mutter und die Freiheit ihres Vaters zu opfern. Die Hochzeit verlief sehr still und düster. Doch in der Hochzeitsnacht, nachdem ihr Ehemann eingeschlafen war, erregte das Licht, das durch die offene Tür des Arbeitszimmers drang, die Aufmerksamkeit des jungen Mädchens. Als sie die Dokumente sah, die dort auf dem Tisch lagen, erlebte sie den größten Schock ihres Lebens.

In den medizinischen Berichten auf dem Tisch stand, dass die Gesundheit des Mannes ausgezeichnet sei und keine tödliche Krankheit vorliege. In dem daneben liegenden Anwaltsvertrag war jedoch die eigentliche schreckliche Wahrheit verborgen: Um das riesige Erbe eines verstorbenen Verwandten antreten zu können, musste der Mann innerhalb eines Jahres Vater werden. Falls kein Kind geboren würde, sollte die Ehe annulliert und das Mädchen mittellos auf die Straße gesetzt werden. Der Mann hatte die Lüge „ich sterbe“ erfunden, um das Mädchen nur als Mittel zum Zweck zu benutzen.
Mit den ersten Sonnenstrahlen floh das junge Mädchen aus Entsetzen über den erlittenen Verrat aus diesem Haus. Sie ging direkt zu einem ehrlichen Anwalt in der Stadt und berichtete von den Dokumenten, die sie gesehen hatte, und der Falle, die ihr gestellt worden war. Dieser mit falschen Angaben geschlossene Ehevertrag des Mannes wendete sich dank des Mutes des Mädchens und der von ihr gesammelten Beweise vor Gericht gegen ihn. Zudem drang dieses schmutzige Spiel, das der Mann trieb, um an das Erbe zu gelangen, auch zu den Ohren der Behörden vor, die das Testament prüften.

Am Ende der Geschichte wurde der Mann sowohl vom Erbe ausgeschlossen als auch seines Rufs völlig beraubt. Das junge Mädchen hingegen schaffte es, die vom Mann versprochenen Hilfen auf dem Wege einer Schadensersatzklage zu erhalten. Ihr Vater kam aus dem Gefängnis frei, ihre Mutter erlangte ihre Gesundheit zurück. Während das junge Mädchen bereit war, ein Jahr zu opfern, hatte sie dank ihrer Ehrlichkeit und ihrer Intelligenz ihr Leben gerettet. Jetzt rochen ihre Hände nicht mehr nur nach Milch, sondern nach Freiheit und Frieden.