In den wechselnden Schatten der Kinolandschaft von 2018 erschien ein neuer Name im Abspann von Luca Guadagninos Suspiria: Lutz Ebersdorf. Er war, laut einer aufwendigen IMDb-Biografie, ein pensionierter deutscher Psychoanalytiker, der sein Leben der klinischen Untersuchung von Mutter-Tochter-Beziehungen gewidmet hatte, bevor er für einen letzten, einsamen Auftritt vor die Kamera gelockt wurde. Er hatte ein Gesicht voller tiefer Trauer und eine Geschichte, die sich so schwer anfühlte wie der Berliner Winter. Doch Lutz Ebersdorf war ein Geist in der Maschine. Er war ein Schwindel – eine wunderschöne, akribische Erfindung, um das durchscheinendste Chamäleon unserer Zeit zu verbergen.

Um zu Dr. Klemperer zu werden, unterzog sich Tilda Swinton einem täglichen vierstündigen Ritual im Make-up-Stuhl, einem langsamen Abstreifen ihrer eigenen Gestalt. Es war eine viszerale Metamorphose aus prothetischen Falten und schütterem Brauenhaar, doch die Transformation ging weit tiefer als die Hautschichten. Swinton bestand darauf, gewichtete männliche Genitalien unter ihrer Kleidung zu tragen – eine „physische Heimsuchung“, die darauf ausgelegt war, ihren Gang zu verändern und ihren Schwerpunkt neu zu setzen. Sie wollte nicht nur so tun, als sei sie ein Mann; sie wollte das spezifische, schwere Gewicht eines männlichen Körpers in der Welt spüren.

Dies schuf das „Madame Blanc“-Paradoxon: Die Hohepriesterin des Hexenzirkels und der trauernde Arzt wurden von derselben Seele bewohnt. Es war eine Studie der Weiblichkeit im Kern maskuliner Trauer. Klemperer ist ein Mann, der buchstäblich vom „Phantasma“ seiner verlorenen Frau heimgesucht wird, und Swinton spielte ihn als Gefäß für diese weibliche Abwesenheit.

Auf die Frage, warum sie solche erschöpfenden Mühen für einen Streich auf sich nehmen würde, den viele vielleicht übersehen, zitierte Swinton die Philosophie ihrer Großmutter: „Dull Not To“ (Es wäre langweilig, es nicht zu tun). Es ist ein Motto für den radikalen Künstler. Ihr ursprünglicher Wunsch war es, Lutz im Abspann „sterben“ zu lassen, ein In Memoriam für einen Mann, der niemals existiert hat, damit das Werk gänzlich ohne ihren Namen existieren könnte.

In einer Ära der „Schau-mich-an“-Verwandlungen bleibt Swintons Lutz der ultimative unheimliche Triumph – eine Erinnerung daran, dass der größte künstlerische Akt nicht darin besteht, gesehen zu werden, sondern mutig genug zu sein, zu verschwinden.